Gekommen, um zu bleiben: Homeoffice und Corona

Frau im Homeoffice

Der Corona-Pandemie ist es gelungen, von heute auf morgen Homeoffice zumindest temporär großflächig zu etablieren. Kaum ein Unternehmen, das die Option nicht kurzfristig eingeführt hätte, soweit es die jeweilige Tätigkeit zulässt. Waren es vor Corona knapp 10 Prozent der Berufstätigen, die zumindest gelegentlich von zu Hause aus gearbeitet haben, ist dieser Wert mit der Pandemie auf rund 33 Prozent gestiegen.

Dieser Wert aus einer hochrechenbaren infas-Telefonerhebung auf Basis einer Zufallsstichprobe ist insofern beachtlich, weil sich die Option nur für einen Teil der Beschäftigten bietet – im Handwerk, in der Fertigung und in vielen Dienstleistungsberufen ist vielfach eine Arbeit von zu Hause keine Option und die persönliche Anwesenheit erforderlich.

Durch dieses, teils unfreiwillige flächendeckende „Pilotprojekt“ aufgrund der Corona-Pandemie können sich nun viele Beschäftige ein Urteil zu dieser Arbeitsoption „Homeoffice“ bilden. infas hat deshalb Mitte Juni eine ergänzende Online-Erhebung speziell zu diesem Themenkomplex unter rund 1.000 Personen durchgeführt. Dabei wurden explizit auch nicht berufstätige Personen befragt, auf die Homeoffice zumindest indirekt im Haushalt einen Einfluss hat.

Als Gesamtfazit kann festgehalten werden, dass die Homeoffice-Option nach Einschätzung der Befragten auch nach der Pandemie dauerhaft bestand haben soll. Eine Mehrheit der Bevölkerung wünscht sie sich als gleichwertige Option neben dem Arbeiten im Betrieb.

Homeoffice Chart 2

Etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung sieht in Homeoffice das Modell der Arbeit der Zukunft und knapp jeder Zweite wünscht sich, dass die Option gesetzlich garantiert wird. Bei diesem klaren Votum für Homeoffice werden die Schattenseiten nicht übersehen. Dass es zur Vereinsamung führen kann, sehen 35 Prozent als mögliches Problem. Ännähernd so viele Befragte (29 Prozent) befürchten, dass die Arbeit von zu Hause aus familiäre Konflikte verursachen könnte, der Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen bzw. der berufliche Anschluss verloren geht. Jeweils nur jeder Fünfte befürchtet, dass Homeoffice alte Rollenbilder in den Familien festigen wird, die Gesundheit belastet oder generell mehr Probleme schafft, als es löst.

Bei der generellen Beurteilung gibt es kaum Unterschiede zwischen Mann und Frau. Der These, dass durch Homeoffice Beruf und Familie besser vereinbar sind, stimmen Frauen etwas häufiger zu. Auffallend ist, dass Frauen, die nicht berufstätig sind, häufiger der Ansicht sind, dass die Option „Homeoffice“ für jeden gesetzlich garantiert werden sollte. Vermutlich steckt dahinter die berechtigte Erwartung, einfacher wieder im Berufsleben Fuß zu fassen.

Homeoffice Chart 1

Vertiefende Analysen zeigen weitere Ergebnisse: Die Bevölkerung kann in drei Gruppen unterteilt werden: Rund 27 Prozent der Befragten lehnen Homeoffice eher ab (siehe Abbildung), erkennen aber an, dass es ein Modell der Zukunft der Arbeit ist, Fahrzeit einspart und hilft Arbeit mit Beruf zu verbinden. Diese Gruppe teil jedoch einige Sorgen bezüglich Homeoffice, etwa dass man vereinsamt, dass der Kontakt zu den Arbeitskolleginnen und -kollegen verloren geht oder dass es Probleme gibt, wenn man Kinder hat. Die Gruppe der Ablehnenden besteht zu 70 Prozent aus Personen, deren Tätigkeit nach eigenen Angaben nicht von zu Hause aus möglich ist.

Auf der Gegenseite finden sich die starken Befürworter von Homeoffice. Rund 28 Prozent sind uneingeschränkte Fans von Homeoffice (siehe Abbildung). Diese Gruppe gibt zu 85 Prozent an, dass für sie die Arbeit von zu Hause auch möglich ist. Viele davon arbeiten in gehobenen Positionen. Fast vollständig stimmen sie zu, dass das Arbeiten von zu Hause aus ein Modell der Zukunft ist, gleichberechtigt zur Arbeit im Betrieb angeboten werden und gesetzlich verankert werden sollte. Mögliche Kehrseiten, etwa Vereinsamung, familiäre Konflikte, Probleme in der Zusammenarbeit lassen sie durchweg nicht gelten.

Dazwischen gibt es 46 Prozent der Bevölkerung (nicht abgebildet), die in beide Richtungen abwägend urteilen und weder den Befürwortern noch den Ablehnern eindeutig zugeordnet werden können.

Fazit: Die Gruppe jener Berufstätigen, deren Tätigkeit auch von zu Hause aus durchgeführt werden kann, wünscht sich mit sehr großer Mehrheit, dass sich die Homeoffice-Möglichkeit auch über die Corona-Pandemie hinaus etabliert. Die damit verbundene Forderung, die Option, von zu Hause aus zu arbeiten, fest in den beruflichen Alltag zu etablieren, ist nicht wieder einzufangen. Gerade Hochqualifizierte werden die damit verbundene zeitliche und örtliche Souveränität einfordern.

Bevölkerungsübergreifend gibt es unabhängig von der eigenen beruflichen Situation eine Mehrheit, die anerkennt, dass Homeoffice eine Arbeitsform der Zukunft ist und gleichberechtigt zum Arbeiten im Betrieb angeboten werden sollte. Skeptisch gegenüber Homeoffice sind dabei vor allem jene, bei denen die Tätigkeit das Arbeiten von zu Hause sowieso nicht zulässt. Vollständig herumgesprochen hat sich, dass Homeoffice einen deutlichen Beitrag zur Verkehrswende leisten kann, weil es Fahrzeiten erspart.

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